Trommeln & Heilen

Therapeutisch trommeln? „Wärmende Rhythmen“ öffnen den Weg ins Unbewusste und verbreiten Frieden. Andere schwören auf das „heilsame Singen“. Nicht richtig muss es sein, aber ein Lied soll ins Herz plumpsen.

Cornelia Rosenberger
Cornelia Rosenberger baut sich eine eigene Trommel in der Steiermark, der von Ilonka Hoermann geleitet wurde.

»Bah – da ist etwas, was meine tiefe innere Sehnsucht trifft.«

Was mir meine Trommeln im Moment sagen würden? Vielleicht: „Gib dir Zeit, bleib einmal da auf dem Bauernhof, da ist ja die Fülle, fahr nicht so viel herum, dann geht es auch wieder, und die momentanen Schmerzen vergehen.“ Es ist ganz fein mit meinen Trommeln. Die reden so viel mit mir, aber in einer anderen Sprache, eher mit dem Herzen. Der Verstand kommt später. Das erste Mal hatte ich während meiner Ausbildung zur Tanzund Ausdruckstherapeutin eine Trommel in der Hand, bei einem Seminar über Kreistänze. „Bah“, merkte ich, „da gibt es etwas, was meine tiefe innere Sehnsucht trifft.“ Ich habe mich gleich in die Trommel verliebt.

Nach dem Rosenkranz beim Wachtgebet weitertrommeln

Eines Tages, Wochen später, spürte ich beim Trommeln einen großen Frieden, wie wenn ich Choräle hörte. Da rief mich meine Schwägerin an, mein Vater sei gerade mit 92 Jahren friedlich hinübergegangen – während ich trommelte. Beim Begräbnis traute ich mich, neben seinem Sarg zu trommeln. In der Kirche war es ganz still. Ich fühlte einen heiligen Raum. Das Trommeln ist für mich ein großes spirituelles Geschehen. Bei Totenwachen setze ich öfter das Rosenkranzgebet mit meiner Trommel fort. Das beruhigt, die Meditation schwingt weiter. Jetzt habe ich sieben indianische Trommeln aus Holz, mit Kuhhaut bespannt. Trommeln ist therapeutisch. Es kann Türen zum Unbewussten öffnen und heilend wirken. Selbst gegenüber schwerstbehinderten Menschen dient es als gemeinsame Sprache. Sie werden lockerer. Menschen lassen die Hand auf dem Trommelfell tanzen. Was in ihnen da ist, darf sich ausdrücken.

Teresa von Avila habe auch getrommelt. „Jesus würde sich zu uns setzen und mittrommeln“, meint Cornelia Rosenberger. Sie ist unter anderem Tanz- und Ausdruckstherapeutin (unter Supervision) und fördert sehbehinderte Kinder im Odilieninstitut in Graz. Im Haus der Frauen in St. Johann bei Herberstein und anderswo bietet sie unter dem Motto „Tanzräume – Lebensbegleitung in Bewegung“ Trommelseminare an.

Trommelbaukurs mit Ilonka
Ilonka Hoermann begleitet die TeilnehmerInnen der Trommelbaugruppe mit der Indianertrommel.

Zurück